Alles in Ordnung…

…am Rigg, meldet Colin, Almerimar,am 12.9.2017 nach halsbrecherischem Aufstieg. Wir sind sehr erleichtert. Nichts an Wanten und Staken, die den Mast halten! Nach der Überfahrt, den Massen an Wasser, die das Schiff erschüttern, dem Wind, der an allem rüttelt! Nicht zu fassen, unsere alte Hugin! Wir sind stolz.

Langwierige Beratungen…

…mit Colin. Stuart, der Inox-Schweißer, hat sich bereits frustriert verabschiedet, es ist das erste Mal, dass er kein Gestell für ein Bimini, ein Sonnendach, für ein Boot liefern kann. Irgendwas passt immer nicht, und alle Lösungen, die uns einfielen, mussten wieder über Bord geworfen werden.

Colin, der Rigger, gibt nicht auf. Peter schlägt vor, den Baum für das Großsegel zu verlängern. Stuart hat sich geweigert, das ist ihm zu heikel, wenn da was passiert…ohne ihn.

Dann also einen neuen Baum? Da tippe ich mir an die Stirn. Warum nicht gleich ein neues Boot passend zum Bimini?

32 Knoten…

9.9.2017

…Wind haben wir heute. Nachmittags sogar 37. Die Kite- und Windsurfer freut’s, unsere Hugin schaukelt ziemlich, wir legen noch ein paar Taue mehr, um zu stabilisieren.

Für uns ein kleines Abenteuer, mir ist mulmig genug, wenn wir am Strand entlanggehen. Die Wellen tosen.
Nicht auszudenken, so etwas in Hurrikanstärke zu erleben…

Über Nacht wird wieder alles ruhig, als wäre nie etwas gewesen.

Dass ein Boot so viel Arbeit macht…

Almerimar, 2017

…hätte ich mir nie träumen lassen.

Peter verfugt, dichtet unter sengender Sonne ab, streicht, schleift…es hört nicht auf.

Ich, nicht gerade mit handwerklichem Geschick gesegnet, catere wenigstens, mache den Schriftkram, spiele die Übersetzerin.

Ein neues, das heißt überhaupt ein Bimini wollen/brauchen wir. Bis jetzt haben wir uns mit einer von zwei miteinander verbundenen Besenstielen getragenen Plane beholfen, auf Dauer ist das keine Lösung. Aber ein Bimini, einen Sonnenschutz also, für’s Centercockpit? Stellt sich als schier unmöglich heraus. Entweder sind die Winschen zu nah oder der Baum oder die Wanten oder alles drei. Tagelang diskutieren wir mit Stuart, der die Inoxgestänge schweißt, und Colin, dem Segelmacher und Rigger. Haben nun hoffentlich endlich eine tragbare Lösung gefunden. Fertig wird es bis zu unserer Abreise, wie gehofft, leider nicht mehr…

Irma

6.,7.9.2017

Der Hurrikan ist über die ersten Karibinseln weggefegt. In Barbuda, dem bezaubernden Barbuda, steht kein Haus mehr. Wir sind entsetzt, sprachlos. Wir haben dort Menschen kennengelernt! Unseren Vogelführer, der in Antigua Jugendliche trainierte! Wie es ihm wohl gehen mag. Hat er überlebt? Auch St. Martin ist schwer getroffen, auch da kennen wir Einwohner, haben uns dort wohlgefühlt. Puerto Rico! Hoch verschuldet, arm. Der nette Historiker, den wir dort kennengelernt hatten, hatte uns versichert, sie seien Hurrikane gewohnt. Diesen nicht. Diese Schwere gab es noch nie. Haiti! Schon wieder dieses Land, es wird nie auf die Beine kommen. Cuba…wer hilft diesen Ländern, die keine Lobby haben?

Ich glotz TV!

3.9.2017

Besser gesagt, wir natürlich. Monatelang haben wir das Fernsehen nicht vermisst.
Die erste Phase der Fußball-WM-Qualifikation ist an uns komplett vorbeigegangen, genauso wie wichtige politische Ereignisse. Jetzt aber, wo wir quasi rentnerlike im sicheren Hafen liegen, packt uns das Fußballfieber wieder. Die vielen Kneipen um uns herum überragen leider nur die Highlights oder ein Spiel, an dem Spanien mitwirkt. Auch dann ist die Stimmung aber nicht mitreißend. Deshalb gucken wir oft auf dem Boot, bei ganz guter Übertragung.

Almeria – 2 –

Einen Park gibt es mit relativ neu gepflanzten Bäumen, der an die Opfer des Terrors erinnern soll. Was genau dahinter steckt, haben wir nicht herausbekommen, aber mit Bäumen statt Steinen zu gedenken, finden wir eine sehr ansprechende Idee.

Wir sind mit dem öffentlichen Bus unterwegs. Nicht im entferntesten so charmant wie in der Karibik, aber wir sehen etwas von Land und Leuten. Roquetas und Aguadulce, oh je. Massentourismus. In El Ejido steigen ein paar Jugendliche ein, kaugummikauend, gegelte Haare, auf Iphones daddelnd, verwöhnte Bubis, gelangweilt. Und ein Schwarzafrikaner. Intelligente Augen, kein Iphone, kurze schwarze Locken, kein Gel.Kein Kaugummi. Ein paar Plastiktüten mit Einkäufen. Der Unterschied könnte kaum größer sein. Zwischen den Plastiktreibhäusern steigt er aus. Einer der Billiglohnarbeiter. Später erfahren wir, dass viele der Gemüsebauern Millionäre sind. Irgendetwas stimmt in diesem Land nicht…