Wall of fame

Horta, Faial, 27.6.2017

Die Zeit rast, nein, eigentlich plätschert sie höchst angenehm dahin, aber die Tage verrinnen, und wir fühlen uns wohl. Die „Freedom“ ist drei Wochen hier geblieben, die schwedische „Bengt“ will ein Jahr auf den Azoren verbringen – wir können es verstehen.

Dabei gibt es hier eigentlich nichts Besonderes. Nette Bootsnachbarn, bei denen man ab und an vorbeischaut. Peters Kneipe, wie bereits erwähnt, immer für ein Bier gut – und es ist bezahlbar hier!

Die Nachbarinsel Pico mit Vulkan, dem höchsten Berg nicht nur der Azoren, sondern ganz Portugals, der sich hinter den Booten in immer neuem Gewand präsentiert und dem man einfach nur beim Sich-verwandeln zuschauen kann…

Hortensien…

Faial, 25.6.2017

…überall Hortensien. Es blüht blau, wo auch immer wir hinschauen, blaue Hortensienhecken säumen Straßen, Wege, dunkelblau-lila Blüten mit dunkelroten Rosen oder Stockrosen zieren Mäuerchen – es ist ein Traum.

Wobei Biologen diese schöne Pflanze auf dieser Insel gar nicht so gern sehen, wie uns der botanische Garten auf Faial lehrt. Sie wurde aus Japan eingeführt und verdrängt, da sie keine Feinde hat, die ursprünglich azorischen Gewächse. Was, wie ich im Geheimen finde, nicht weiter schlimm ist, die sind nämlich nur grün und nicht so farbenprächtig.

O Fado

Horta, Faial, Azoren, 23.6.2017

Wir bummeln durch die Tage und den Ort, lassen es langsam angehen. Werden Stammgast in Peters Sport Cafe, dem berühmten Treff aller Segler auf der Transatlantikroute. „Karina“, die wir seit Barbuda immer wieder treffen, ist auch angekommen , mit Pit und Crew, endlich!

Wir besuchen die Touristeninformation und wollen ein bisschen mehr von der Insel kennenlernen. „Fado“ empfiehlt der äußerst kenntnisreiche Mitarbeiter, am Freitag wird Fado gegeben, noch dazu in einer der besten Kneipen Hortas, bei Genuino, der zweimal allein die Welt umsegelte. Da muss man hin. „Fado“ ist die Musik Portugals, aber auch der Azoren.

Der Tag danach

Horta, 21.6.2017

Aua. Mein Kopf! Vielleicht war die Mischung aus Bier, Wein zu Peters leckerem Fisch, Schampus zum Feiern und einem Rum zum Abschluss doch ein bisschen zu viel. Wie spät ist es überhaupt? Halb eins! Mittags!Oh mein Gott. Neben mir schlummert noch der Käpt’n. Ihm scheint es nicht viel besser zu gehen.

Wir berappeln uns dann doch zum Frühstück. Ich meckere, dass der Kaffee nach Salz schmeckt? Peter glaubt seine Frau überspannt. Sinnestäuschungen? Geschmacksverirrungen? Die Hormone? Bis er mir zustimmen muss. Der Kaffee schmeckt nach Salz. Bäh.

Der Reihe nach…

20.6.2017, Faial, Horta

Wie beschrieben, weckt der Anblick der Insel Faial gemischte Gefühle. Wir sind wieder in Europa! Das ist, wie nach Hause zu kommen. Obwohl wir noch nie in Portugal, geschweige denn auf den Azoren waren – wir fühlen uns allein bei dem Gedanken daran entpannter. Kein Umrechnen mehr, Einkaufen wird leichter, alles ist vertrauter. Aber vertraut ist eben auch manchmal…langweilig. Skeptisch blicke ich auf die Landschaft, als wir Faial entlang fahren.

Alles so geordnet. Schmuck. Adrett. Könnte das Kinzigtal im Schwarzwald sein, oder das Allgäu.

Angekommen

20.6.2017

10:15 Uhr: Land in Sicht! Die Insel Faial. Ein unbeschreibliches Gefühl. Unendliche Erleichterung, es geschafft zu haben. Traurigkeit, es geschafft zu haben…

17:03 Uhr

Nach 1929 gottverdammten Seemeilen mit Flaute, Umfahren von Stürmen, Starkwind dagegen, legen wir nach sensationellen 17 Tagen in Horta, Faial, an. Um

21:07

nach Erledigung aller Formalitäten knallt endlich der Korken.

Wir sind zurück. Wieder in Europa.

Und hundemüde. Können es noch gar nicht ganz begreifen. Morgen mehr .
Dank an Euch dafür, uns die Daumen zu drücken, uns zu begleiten!

Überfahrt auf die Azoren: Tag 16

18.6.2017

37°42’600N, 31°07’595 W, 104 sm

Ein Fisch, ein Fisch! Peter hat einen Fisch geangelt, einen, so vermuten wir nach Abgleich mit dem Segelführer, „Bigeye Tuna“, einen großäugigen Thunfisch.

Nur zu gern würden wir unseren Speiseplan damit gleich bereichern, aber er würde beim Garen im Ofen wahrscheinlich vom Blech rutschen, und wir hätten auch keine Muße, ihn zu genießen.

Wir sind hart am Wind. Absolute Schräglage. Bei 15, in Böen bis 27 Knoten. Hin-und hergeschleudert durch über zwei Meter hohe, kurz aufeinanderfolgende Wellen.Brecher, die das Schiff erzittern lassen. Jede Tätigkeit, jeder Handgriff, jeder Schritt ist ein Kampf.

Überfahrt auf die Azoren: Tag 15

17.6.2017

37°41N, 31°39’654 W, 93 sm

Wir sitzen gemütlich beim Abendessen unter Deck, es regnet in Strömen, als der Wind beginnt, zu heulen. Schleunigst werfen wir uns in Schlechtwetterklamotten, lassen Tortellni Tortellini sein und eilen nach oben. Reffen! 25 Knoten bringt der Wind, die See rollt in langen Wellen heran, wir reffen die Fock und bergen das Groß. Stellen nach einer Weile fest, dass die Windsteueranlage so überfordert ist, und hissen den Besan. Mittlerweile kocht die See. Wir werden von übergriffigen Wellen patschnass, egal. Und stellen fest, dass das Wetter eigentlich auch Spaß macht.

Überfahrt auf die Azoren: Tag 13-14

16.6.2017

38°50N, 37°48, 118sm

118 Seemeilen innerhalb von 24 Stunden, das ist nicht schlecht. Aber wir hätten schneller sein können, wenn Peter nicht nachts die Bremse gezogen, d.h. gerefft hätte, nachdem er nochmals das Streckenwetter konsultiert hatte. Aller Voraussicht nach wären wir Montag in Horta angekommen –  und mitten in ein Tief geraten, 35 Knoten Wind von vorn. Das will niemand. Also lieber langsamer segeln, Zeit schinden. Ach, Freud und Leid liegen beim Segeln so dicht beieinander…Wir hatten uns so über den perfekten Wind gefreut, der angesagt war. Einen Tag später sieht es schon wieder ganz anders aus…