Vom Aushalten der Langsamkeit

180 Seemeilen, hatten wir gedacht, sind es bis Menorca.

Durch das Umfahren der Passage werden über 200 (ca. 360 Kilometer). Und das ist viel…

Wir „machen“ keine 6 Knoten Fahrt – weniger als 10 Kilometer/Stunde.

Quälend langsam summieren sich die Meilen… Was macht man mit so viel Zeit auf so engem Raum? Segeltechnisch ist nicht viel zu tun, der Autopilot steuert.

Lesen! Endlich! („Die Mittagsfrau“ von Julia Franck, wer das Buch noch nicht kennt – unbedingt lesen! Peter empfiehlt: „Rachsesommer“ von Andreas Gruber ) Aber irgendwann ist das Buch leider ausgelesen.

Et kütt wie et kütt…

Viel zu spät haben wir abgelegt aus Castelsardo. Zu schön heiß die Duschen, zu verlockend das Angebot des Schraubenhändlers, Käse haben wir noch gebraucht und die Nachbarn einen Schlauchanschluss. Es ist 11, als wir endlich loskommen, egal, der Wind, so die Vorhersage, soll uns regelrecht hinüber treiben.

Erstmal ist der Wind schwächer als die Wellen es sind, und das heißt: Schwanken. Es ist ruppig schaukelig auf dem Boot. Eigentlich wollten wir durch eine wunderschöne Passage fahren, die aber ziemlich tricky weil voller Felsen ist, wir lassen das lieber bleiben. Ein entscheidender Fehler, wie sich herausstellt – so brauchen wir fast drei Stunden länger.

Ciao, bella Italia!

Um 11 verlassen wir Castelsardo und damit den vorerst letzten Ort in Italien. Schade, schön war#s bei den Italienern. Und jetzt: Kurs Balearen, Menorca.

Wind und Wellen sollen gut sein, ich schreibe diese Zeilen jedoch auf dem Wasser und finde es ein bisschen…zu gut. Immerhin machen wir 7 Knoten Rauschefahrt. Also: Hasta manana! Morgen abend sollten wir drüben sein…

Wasser!!!

Nein, auch wenn es sich so lesen mag, wir trinken nicht nur Wein. Wir trinken auch Wasser.

Meerwasser.

Unser Watermaker läuft! Und macht aus Meerwasser – Trinkwasser! Durch Umkehrosmose wird das Wasser durch eine ganz feine Membrane gepresst , dann läuft es noch durch einen Kohlefilter, ist sofort trinkbar – und schmeckt! Kein Plastikmüll mehr, kein Schleppen von Sixpacks – grandios.

 

Schlaraffenland

Sizilien haben wir mit Bedauern verlassen. Obwohl wir schlecht gelegen haben und wie ein Korken auf dem Schwell vor Castellamare geschaukelt sind – landschaftlich und kulturell war Sizilien spannend. Und das essen! Kulinarisch haben wir uns gefühlt wie im Schlaraffenland. Angefangen von wunderbarer Zitronenmarmelade, frischestes Obst, Gemüse, Mandelgebäck! Das wird uns fehlen. Und dann die Weine…Wir sprechen hier nicht vom Nero d’Avola, sondern von Grillo, Catarratto, Frappato…einer besser als der andere. Wir laben uns derzeit noch am einfachsten Rotwein, gekauft in Catania im winzigen „Almentari“, wo wir morgens Brötchen geholt haben. Der Wein lagert da in Fässern und wird in Plastikwasserflaschen abgefüllt, 1,60 der Liter…Hätten wir nur mehr davon mitgenommen – er ist so gut!

Beautiful people…

…leben hier. Die Küste Sardiniens gehört den Schönen, den Reichen und den ganz schön Reichen. Eindeutig. Architektonisch allerdings beeindruckend, keine verschandelnden Hochhäuser, sehr geschmackvoll, sehr individuell und kreativ. Dennoch, so ganz unseres ist es bislang nicht.

Segeltechnisch allerdings – sehr verlockend. Landschaftlich schön, kleine, gut geschützte Buchten, in denen wir endlich wieder schnorcheln (obwohl das Wasser trüb und bei weitem nicht so klar ist, wie Sardinien immer verspricht) und ruhig vor Anker liegen können. Marinas, kleine Häfen also für Privatschiffe, die bezahlbar und trotzdem sauber und gut ausgestattet sind. Sardinien wird vielleicht unser neues Segelrevier, wenn wir nächstes Jahr zurückkommen…

Spät

kommen wir von Sizilien los. Es wird schon dunkel, als wir die Insel hinter uns lassen.

Der Wind ist schwächer als angesagt. Wir motoren also. Aber: Keine hohen Wellen dagegen, sehr angenehm. Wir lehnen uns an die Fender, die wie Sitzkissen an der Reling aufgereiht sind, gucken in die Sterne und finden das Leben schön.

Und der Motor läuft und läuft und…Wir schauen ab und an nach entgegenkommenden Schiffen, Peter in den Motorraum…

Houston, wir haben ein Problem!

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Diesmal ist es….

…die zweite Lichtmaschine, die muckt und uns vielleicht mal wieder zu einem längeren Aufenthalt zwingt. Noch länger…

Alles war gut, nach unserem wunderschönen Ausflugstag hatten wir Regen. Das war so schlecht nicht, denn nach Sardinien segeln hatten wir sowieso noch nicht wollen, und so konnte ich Fotos sortieren und Peter basteln: den neuerworbenen Filter einsetzen, zum Beispiel. Eine Operation am offenen Herzen – einfach die Dieselzuleitung zu durchtrennen, den Filter einzusetzen, mit Schlauchschellen zu befestigen und zu glauben, das funktioniert wieder…unglaublich. Tut es aber.