Kalabrien per Auto IV

Wir ziehen weiter über die Berge. Auch in der Kirche von Riace gab es übrigens keine „echten“, sonder nur elektrische Kerzen, was dem Eindruck einen ganz kleinen Kratzer verschafft hat. Aber nur einen winzigen…

Die Landschaft ist immer noch grandios, die Dörfer arm. Im Norden wirkt die Region etwas reicher, da gibt es etwas Industrie – und Weinanbau. Der Wein aus Kalabrien ist sehr gut, selbst der einfachste.

Wir wollen den Tag beenden mit einem schönen Abendessen an einem schönen Ort. Unsere „Ristorantes“ in Roccella, oder jedenfalls die, die annähernd einladend wirken, haben wir alle abgeklappert und wollen nicht schon wieder das einzige Spaghettigericht auf der Karte des Capolinea bestellen, wo wir eh Stammgäste sind.

Kalabrien per Auto III- Dieser freundliche alte Herr

…zeigt uns stolz sein Dorf und erzählt die Hintergründe. 1989 kamen die ersten Flüchtlinge aus Bangladesch, Pakistan und Afrika nach Italien. Statt sie auszugrenzen, hat Riace sie integriert. Das Dorf, vom Aussterben bedroht, hat nun neue Bewohner gefunden, die es beleben. Und es scheint zu funktionieren. Bewundernswert.

Wir kaufen unserem Fremdenführer Kaktusfrüchte als Dank ab und über dem Feuer getrocknete Feigen, die er mit seinen Pranken nochmal ordentlich befühlt, wie um zu spüren, ob er sie denn verkaufen kann…Ach ja – ein paar Ohrringe aus Papier habe ich natürlich auch erstanden. Garantiert regenfest!

Kalabrien per Auto II

…und kommen nach Riace. Riace, ein Bergdorf, arm, empfängt uns in Regenbogenfarben. Wir trauen unseren Augen nicht. Offensiv und freudig verkündet Riace, welche Nationalitäten hier leben: Pakistani, Eritreer, Afghanen, Togo, Gambia, Malesen und so weiter. Verwundert tasten wir uns durch die Gassen. Handwerker, die aus Papier Schmuck und Taschen fertigen, Holzfiguren produzieren, Decken besticken. Jedes Kunsthandwerk einer Nationalität zugeordnet, jedes in einer kleinen Werkstatt, die zum Besuch einlädt, zum Kaufen oder aber auch nur zum Schauen. Riace ist bunt.

Kalabrien per Auto I

Wir haben uns ein Auto gemietet. Schweineteuer, aber wir müssen mal raus.

Der Tag wird etwas überschattet – meine Patentante ist gestorben, und ich wäre sehr gern nach Deutschland zur Beerdigung geflogen, aber Flugpreise und –zeiten sind aberwitzig. So packt mich ab und an eine große Traurigkeit, vielleicht ist es gerade gut, im Auto die Landschaft an mir vorbeiziehen und meine Gedanken fliegen zu lassen.

Erste Station ist Locri, von dem alle schwärmen – griechische Skulpturen, Ausgrabungsstätten, das Museum! Nur leider hat das Montags geschlossen…

Powerwalking

Carla hatte die Idee. Carla, die freundliche Carla im winzigen Tourist-Office der Marina, erblickte uns beim täglichen Bier in der Bar nebendran und lud uns ein zum Fitwalking. 10 Kilometer, nur zwei Stunden, super Sache, macht sie regelmäßig. Obwohl, diesmal ist es Powerwalken, etwas länger, 15 Kilometer. Aber machbar, keine Frage. Wer kann dazu schon nein sagen. Zumal wir uns seit zwei Monaten außer gelegentlichen Miniwanderungen und dem Fahrradstrampeln in die Stadt nicht wirklich bewegen…Allerdings – 15 Kilometer? Dreimal Ebersteinburg-Baden-Baden? Zweimal Ebersteinburg-Merkur??? Egal, kneifen ging eh nicht mehr. Obwohl uns leicht mulmig wurde, je näher der Termin kam.

Giorgio

…überraschte mich, als ich die deutsche Insel-Ausgabe der „Ilias“ – ich hatte sie in Griechenland auf den Peleponnes lesen wollen, aber es war mir zu mühselig…- in die Bibliothek zum Tauschen brachte, damit, dass er sie auf altgriechisch gelesen hat! In der Schule. Humanistische Bildung. Außerdem spricht er fließend englisch.

Giorgio ist der Manager dieser Marina, jünger als unser Boot, aber voller Enthusiasmus über seine Stadt und sein Land. Wo die Griechen überall waren! Was wir an Relikten sehen können! Die Museen, wir müssen die Museen anschauen! Das Jazzfestival organisiert er auch mit.

Die „Bar Roma“

…müsste eigentlich „ il Paradiso di Pietro“ heißen – Peter liebt sie! Sie hat die beste Pizza der Stadt, wenn nicht gar Italiens, wenn nicht gar der Welt! Von großen Blechen, pur als Margherita, mit Pilzen, Artischocken, oder aber – von Italienern gern genommen – mit Pommes und „Wurtel“, kann man sie stückweise kaufen – saftig, fettig, gut. Man isst sie aus der Hand, in ein Stück Papier eingeschlagen. Dazu ein Bier oder zwei auf der Piazza – und das Leben ist schön!

 

 

Der Lohn…

…der Mühe wird zunehmend in Naturalien gezahlt. In diesem Falle sind es Rotbarben. Peter hat bei Gewitter und strömendem Regen einem der Fischerboote (nicht unserem Lieblingsfischer allerdings) beim Anlegen geholfen und dafür einen Eimer voller Fische geerntet. Zwei Drittel haben wir verschenkt an Mexikaner, die ihr Boot ins Mittelmeer verlegt haben, weil sie diese Region kulturell viel interessanter finden als die Karibik…, die haben nochmal die Hälfte davon an Clara, die Dame des Reisebüros verschenkt, die wiederum uns sehr dafür gedankt hat, der Rest ist bei uns im Ofen gelandet – auf Zwiebeln, mit Orangen und Rosmarin bedeckt à siehe Foto. War sehr lecker, hat aber nicht ganz an die Gambas unseres Lieblingsfischers herangereicht…oder an den Seeteufel… Wir sind mittlerweile verwöhnt! Unsere Fische haben wir übrigens auch nicht ganz geschafft. Den Rest haben die Katzen bekommen!

Der Lack ist ab…

…naja, fast. Zum Glück. Wir nutzen die Zeit, in der wir auf die neue Pumpe warten, um am Boot zu arbeiten. Endlich, endlich das Holz neu zu streichen, das ist seit Jahren fällig und sieht auch so aus.  Meine Schuld. In jeder Bucht, in der Peter seine Schleifmaschine zücken wollte, habe ich gejammert: zu laut. Viel zu schön hier! In jedem Hafen wollte ich lieber in die Stadt und Lack auf-, statt abtragen…Jetzt gibt es keine Ausreden mehr, wir arbeiten mit Stecheisen, Schleifpapier und Schleifmaschine und haben immer noch nicht gestrichen. Morgen – bestimmt!

Die Pumpe

Das ist sie. Lang erwartet, heiß ersehnt, unsere Ersatzpumpe. Es ist die falsche. Drei Experten haben unabhängig voneinander bestimmt, dass sie nicht zu unserem Motor passt, zwei – darunter Bosch Deutschland und der Verkäufer -, dass sie paßt. Wir haben uns für die Demokratie entschieden…und sehen auch, dass die Anschlüsse nicht ganz stimmen. Frust.

Parallel aber haben die Mechaniker hier eine in Holland gefunden, die ganz bestimmt identisch sei! Sie wird Montag losgeschickt und soll Freitag eingebaut werden, dann können wir los. Wenn’s denn wahr ist…

Solange machen wir das Beste draus – uns birra bei Yolanda beispielsweise…oder zwei…oder….